Buchfetzen.



aus: Kaspar - Peter Handke; edition suhrkamp - ISBN 3-518-10322-9
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Jetzt bin ich aufgestanden und habe gleich bemerkt, nicht erst jetzt, dass mein Schuhband aufgegangen war. Weil ich jetzt sprechen kann, kann ich das Schuhband in Ordnung bringen. Seit ich sprechen kann, kann ich mich ordnungsgemäß nach dem Schuhband bücken. Seit ich sprechen kann, kann ich alles in Ordnung bringen. Er bückt sich nach dem Schuhband. Er stellt ein Bein vor, um sich besser nach dem Schuhband bücken zu können. Weil er aber mit dem anderen Fuß auf dem Schuhband gestanden hat, strauchelt er durch das Vorstellen des Beins und fällt, nachdem er vergeblich versucht hat, sich zu halten - einen Augenblick scheint es ihm zu gelingen - zu Boden. Er wirft dabei auch den Stuhl um, auf dem er gesessen hat. Nach einem Augenblick der Stille: Seit ich sprechen kann, kann ich ordnungsgemäß aufstehen; aber das Fallen tut erst weh, seit ich sprechen kann; aber das Wehtun beim Fallen ist halb so schlimm, seit ich weiß, dass ich über das Wehtun sprechen kann; aber das Fallen ist doppelt so schlimm, seit ich weiß, dass man über mein Fallen sprechen kann; aber das Fallen tut überhaupt nicht mehr weh, seit ich weiß, dass ich das Wehtun vergessen kann; aber das Wehtun hört überhaupt nicht mehr auf, seit ich weiß, dass ich mich des Fallens schämen kann.


 

 

 

10.6.07 21:35

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