Literarisches Zirkeltraining.

Es ist immer dasselbe. Alles wiederholt sich und am Ende kommt es nur auf Zähigkeit an, auf nichts sonst, auf Kondition, auf Fingerfertigkeit, aufs harte Durchbeißen. Kopfleer schreibe ich Zeile für Zeile, Schachtelsätze, ich verschachtle, verfrachte mich, schleudere zwischen metaphorischen Abriss, auf Pappe, auf Papier noch einen Dreck Lyrik. Oder Dispersionsfarbe. Am liebsten dunkelgraugrün. Es ist alles ein bisschen leichter wenn man schreibt, das bildet man sich ein; man muss nicht wissen worüber, man muss nur schreiben, um das Gefühl zu haben. Irgendein Gefühl.


(..)

Ich muss lesen, irgendwelche Bücher, Sachbücher, Lexika, autobiographisches Zeug, intelligente Bücher mit apokalyptischen Sinnphrasen und durchschlagendem Geist. Ich habe nie verstanden, nie habe ich verstanden, was ich las, aber ich las um zu lesen, weil das, -unermüdlich sagt man mir: der bessere Weg sei, oder der intellektuellere, ein disziplinierter, stilisierter Weg, der Weg ist das Ziel, der Weg ist ein ausgelatschter, voll gekotzter Bordstein. Und, irgendwie blieb mir das nachhaltig zueigen, ich verrichte noch heute motorischer Weise in antrainierter Handlungsabfolge irgendwelche Tätigkeiten, ohne zu wissen, weshalb. Ich verstehe das Leben nicht, ich habe es gelernt, aber verstehen, verstehen will ich es nicht im Geringsten, ich kann es nicht verstehen, nicht weil ich nicht wollte, ich meine mir fehlt die kognitive, hirnrindenverkümmerte Kompetenz dazu. Ich kann keine Brücke schlagen. Zu den Menschen. Diese herzflimmernden Menschen, diese dummschraffierten Pantoffeltierchen sind mir fremd und doch fällt man ihnen immer wieder zu. Ich bin naiv, Gott bin ich naiv, ich habe kein Misstrauen gelernt, weiß der Teufel von wem ich das, aber ich nehme ahnungslos alles für Gut, immer wieder lege ich meinen gleich-, und langmütigen Herzton in die Hände dieser unglaubwürdigen Menschen und, jedes Mal wieder widermirselbst bekommst du ich du mit voller Wehemenz ungebremst einen warmsatten Keulenschlag ins Gesicht gedroschen. Ich bin dumm, sagen wir einfach und mit schlichten Worten: strohdumm. Man soll die Poesie nicht überstrapazieren. - Zu dumm für dieses komplizierte undurchdringbare Leben, ja so ist es, ich begreife es nicht. Die Menschen sprechen eine andere Sprache, sie reden wirres Zeug, verstehen sich untereinander, aber ich, so wahr ich ihnen zuhöre und unter ihnen leben muss, ich habe nicht den geringsten Begriff davon, was sie reden ..


ich muss mich korrigieren
Zeit bringt Erkenntnis


es ist nicht ganz richtig, mein Wort ist nicht tief genug, man will den Gedanken an der Wurzel anpacken und ausheben. Ich verstehe das Leben, ich habe es eine Zeitlang betrieben wie Kernspaltung, die Menschen sind Mathematik, sind gefangen in einem moralisierenden Zirkelrund und verhalten sich im ihrer Zeit eingestellten Bogen. Man ist stets versucht diesem einfachen und berechenbaren Wesen ein Mysterium anzudichten. Aber, das ist Unfug. Es ist einfach, es ist schlicht nichts sagend monoton idiotisch einfach und, ich kann es nicht verinnerlichen. Das ist das Problem; kann am Ende eines Tages nicht anders, als es dieses alles im Schwall wieder auszukotzen, wie ich es einsehe, einatme, es mich eindringt..


schlechterdings
im Wendekreis der Zeit


oder guterdings, man kann es nehmen wie man will. Wieder dieselbe Geschichte, Fragment: man trinkt Wein, man raucht sich die oberen Eingeweide mürb, man redet nicht viel. Früher hatte ich so etwas wie Vorstellungen, ich bin desillusioniert, das ist angenehm liebe Liebe; man geht ins Bett berührt sich, atmet sich, beschläft sich in einem Anflug künstlicher Gefühle, fickt sich im schwarzen Nachtfilz taub zwischen den Schenkeln um der Haut wegen, um der Haut wegen, umderHautwegen. Wegen dann und wann ein bisschen Hautspur und Zartheit. Ich bin Künstler, er sagt - ich liebe dich, legt seinen Kopf an meine Schulter und meint, es war ganz gut, nichts weiter. Danke. Bitte. Das meine ich auch, es ist ehrlich und das macht uns wohl sympathisch, weil man weiß, weil wir wissen, weil es uns letztlich egal ist. Diese Liebe, oder irgendwas. Und, irgendwann gehe ich, weil ich gehen muss und er bleibt, liegt schlafsatt und frühlingstaub im Gesuch seiner Haut, im Schachtelsatz einer Liebe, bleibt. Weil es sein Haus ist, oder sein Bett, oder sein Zimmer, oder.


heute

motorisch rottaub im Maschinenring des Herzens
umgeschachtelt, dunkelgrüngeliebt

monoton

man zirkelt grenzaußen
schlingert grenzinnen
namenlos zirkelt
man

distanziert hautnah
hautunter ungezähmt
überbordend
mundtaub
irgend


weiter..



1.6.07 22:16

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